Dort wo heute die Hipster wohnen. Eine kleine Geschichte des Glockenbachviertels

von katrin

Ich finde, das Glockenbachviertel ist so ein bisschen das Williamsburg von München.

Als ich das letzte Mal in der Aroma Kaffeebar in der Pestalozzistraße saß, kam mir auf einmal dieser Gedanke. Umgeben von Hipstern, die eifrig bemüht waren hinter ihren Macbook Pros möglichst beschäftigt auszusehen, ohne dabei an lässig urbaner Stylishness einzubüßen, vor der Nase einen laktosefreien Capuccino und einen Avocado-Bagel für 7 Euro das Stück und in dem vollen Bewusstsein, dass ich mir hier nicht einmal ein WG-Zimmer leisten könnte, hatte ich plötzlich so einen kurzen New-York-Moment.

Ok, dem Glockenbachviertel fehlt gänzlich die für Brooklyn typische Badass-Attitude. Es ist auch nicht mal annähernd so multikulti wie Williamsburg, das bekannt dafür ist, dass dort viele verschiedene ethnische und religiöse Gruppen leben. Und urban ist es schon gleich mal so gar nicht.

Und trotzdem… die Geschichten der beiden Viertel haben so ihre Gemeinsamkeiten, genauso wie ihr Szenestatus heute.

Williamsburg war ursprünglich ein Industrie- und Arbeiterviertel, in dem vor allem ärmere Menschen lebten. Die niedrigen Mieten zogen seit den 1990er Jahren auch Künstler und Bohemiens an und so entwickelte sich eine alternative Kunst-, Musik- und Kulturszene in Williamsburg, die auch international bekannt wurde.

Doch dort, wo die kreative Szene haust, lassen natürlich auch die Hipster nicht lange auf sich warten. Und somit ist Williamsburg in den letzten 15 Jahren nicht nur zu einer der beliebtesten, sondern auch teuersten Gegenden New Yorks geworden – der Gentrifizierung sei dank.

Gentrifizierung, teure Mieten und hipsterisierte Szeneläden beschreiben auch das Glockenbachviertel heute ohne Frage recht treffend. Doch das war natürlich nicht immer so – und würde man vor allem ältere Münchner fragen, was sie mit dem Viertel verbinden, kämen in ihren Erzählungen wahrscheinlich kein überteuertes Augustiner in 0,3-Flaschen und Barbershops vor.

Vielleicht erinnerst du dich ja auch noch an das Glockenbachviertel als “das Schwulenviertel” mit einer alternativen Kunst-, Kultur- und Feierszene. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, da war das Viertel ein Sammelsurium aus alteingesessenen Handwerksbetrieben, Antiquitätenläden und einer regenbogenbunten Bar- und Kneipenlandschaft. Ich für meinen Teil habe damals im Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel meine ersten Gehversuche im Münchner Nachtleben gemacht (und trauere diesen Zeiten und so manchem Laden bis heute noch nach).

Was mir an dem Viertel damals besonders gefallen hat, war der entspannte und weltoffene Flair. Genau wie in Williamsburg auch, lag das vor allem an den Künstlern, Kreativen und Freischaffenden, die seit den 1980er Jahren in die damals noch günstigen Altbauwohnungen zogen. Sie alle trugen dazu bei, dass sich die alternative neben der homosexuellen Szene dort so lebhaft entwickeln konnte.

Billige Mieten im Glockenbachviertel?

Heute kaum noch vorstellbar. Doch ursprünglich war die Gegend zwischen Müllerstraße und Isar ein Gewerbe- und Arbeiterviertel, weshalb es auch in den 1980er Jahren dort noch verhältnismäßig günstigen Wohnraum gab. Noch eine Gemeinsamkeit mit Williamsburg also.

Die Grabstätte der Brauereifamilie Pschorr auf dem Alten Südfriedhof

Am Anfang waren da: Seuchen, Gräber und viel harte Arbeit

Das war schon seit dem Mittelalter so. Dass hier früher hauptsächlich gearbeitet und nicht Capuccino getrunken wurde, verrät uns schon der Viertelname: Der Glockenbach, der bis heute (unterirdisch) durch das Viertel fließt, wurde nach einer mittelalterlichen Glockengießerei benannt. Diese Gießerei befand sich außerhalb der Stadtmauern in der Nähe des Sendlinger Tors und man stellte dort nicht nur Glocken, sondern zum Beispiel auch Kanonen oder Geschützkugeln her.

Damals war die Gegend bei den Münchnern insgesamt nicht sonderlich beliebt. Das lag unter anderem daran, dass man ab dem 16. Jahrhundert Menschen, die an ansteckenden Infektionskrankheiten litten, außerhalb der Stadt in Quarantäne schickte. Die Kranken wurden in in einem “Brechhaus” (Pesthaus) untergebracht, damit sie keine gesunden Stadtbewohner anstecken konnten. Weil viele ihre Krankheit nicht überlebten, gehörte zu dem Brechhaus auch ein “Pestfriedhof”, der noch bis heute existiert: Der Südfriedhof.

Besserwisserfakt für G'scheidhaferl

Der Südfriedhof war einige Zeit lang der einzige Friedhof Münchens, nachdem Kurfürst Karl Theodor 1789 die Bestattung innerhalb der Stadtmauern verbieten ließ. Wenn du dort einmal spazieren gehst, erkennst du bestimmt viele der Namen auf den Grabsteinen wieder. Gefühlt wurde dort nämlich das halbe Straßennetz von München beerdigt.

Doch wenn man nicht gerade von einer Seuche befallen war oder beerdigt werden sollte, ging man hauptsächlich zum Arbeiten in die Gegend südwestlich von München.

Das Gebiet war für die gewerbliche Nutzung ideal, weil es komplett von einem Netz aus kleinen Bächen durchzogen war. So konnten etwa auf dem Westermühlbach Flösse bis zur sogenannten Oberen Lände fahren (heute der Spielplatz Am Glockenbach), wo sie zerlegt und das Holz getrocknet wurde (jup, da ergibt die “Holzstraße” plötzlich Sinn). Auch Arbeiten wie das Sieden von Pech wurden dort verrichtet, da man für den Herstellungsprozess das Harz von Bäumen benötigte. Viele Betriebe nutzten außerdem die Wasserkraft um zum Beispiel kleine Mühlräder anzutreiben.

Eine Hochburg der Münchner Arbeiterschaft

Auch noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten hauptsächlich Handwerker, Gewerbetreibende und Tagelöhner in ziemlich ärmlichen Verhältnissen in dieser Gegend außerhalb der Stadt. Wegen den vielen Bächen und der Isarnähe gab es häufig Hochwasser und da niemand gern nasse Füße kriegt, zählte das Gebiet nicht gerade zu den beliebtesten Wohngegenden.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam die Stadt dann aber trotzdem immer näher. Das Stadtgebiet wurde planmäßig auf die Isarvorstadt erweitert, die Stadtbäche trocken oder unter die Erde gelegt, Wohnquartiere für Arbeiter geschaffen und verschiedenste Industrien und Betriebe siedelten sich an. Handwerk und Handel verloren an Bedeutung und der Prozess der Industrialisierung prägte zunehmend die wirtschaftliche Entwicklung Münchens.

Städtische Fabriken und Betriebe boten Arbeitsplätze, weshalb immer mehr Menschen vom Land in die Stadt zogen. In der neu entstandenen Isarvorstadt wurden die Arbeiter mit ihren Familien südlich der Altstadt angesiedelt und so entwickelten sich Schlachthof-, Dreimühlen- und Glockenbachviertel zu Arbeitervierteln.

Der Westermühlbach bei der ehemaligen Oberen Floßlände

Da überrascht es natürlich nicht, dass auch die Münchner Arbeiterbewegung lange Zeit im Glockenbachviertel beheimatet war. Die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen veranlassten viele Arbeiter dazu sich in Gewerkschaften und Arbeitervereinen zu organisieren. Um der Vielzahl an Organisationen ein Zuhause zu geben, wurde 1912 das “Münchner Gewerkschaftshaus” in der Pestalozzistraße eröffnet, das auch während der Weimarer Republik das Zentrum der Münchner Arbeiterbewegung blieb.

Schon damals ärgerten sich der junge Adolf Hitler und die aufstrebende NSDAP über das Gewerkschaftshaus. Unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung 1933 begannen die Nationalsozialisten daher mit der systematischen Verfolgung der bayerischen Arbeiterbewegung und die SA besetzte das Gewerkschaftshaus. Das Gebäude wurde von der NS-Regierung unterschiedlich genutzt, bis es 1944 bei einem Bombenangriffen schwer beschädigt wurde.

Ein Zuhause für die homosexuelle Szene

Vom ehemaligen Arbeiterviertel ist heute freilich nicht mehr viel zu spüren. Ab der Nachkriegszeit begann die Viertelstruktur sich zu verändern: Industrie- und Firmengebäude wurden abgerissen und meistens durch Wohnungsbauten ersetzt. War bis in die 1970er Jahre hauptsächlich die Arbeiterschaft hier zuhause, ließen sich nach und nach immer mehr Dienstleistungsbetriebe wie zum Beispiel Friseure, aber auch Studenten, Künstler und Kreative in den unsanierten Altbauwohnungen nieder.

Mit der Feierei ging es aber nicht erst ab diesem Zeitpunkt los. Im Gegenteil: Die Bewohner des Glockenbachviertels legten schon im 19. Jahrhundert wert auf Unterhaltung. Bekannt war vor allem der Vergnügungspalast Colosseum in der Ickstattstraße, der 1874 eröffnete. Dort gab es ein illustres Programm mit Varieté, Artisten, Boxkämpfen und rauschenden Faschingsbällen. Das Theater konnte sich beinahe 90 Jahre halten, bis es Anfang der Sechziger abgerissen wurde.

Den Ruf von eher zweifelhaftem Vergnügen hatte dagegen die Müllerstraße. Denn bis in die Siebzieger Jahre hinein gab da es dort einen Straßenstrich und einige Bordelle. Kritisch beäugt wurde auch die Schwulenszene, die sich ab den Fünfziger Jahren im Glockenbachviertel vorsichtig etablierte und dort zumindest teilweise geduldet wurde. Homosexualität war zu dieser Zeit noch strafbar, weshalb man sich in der Szene stets im Verborgenen und mit großer Vorsicht bewegen musste.

Wusstest du's?

Seit 1872 galten nach dem § 175 des deutschen Strafgesetzbuches gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen unter Männern als strafbar. Die Nationalsozialisten verschärften das Gesetz nochmals und die BRD hielt auch zwanzig Jahre nach Kriegsende noch an dieser Version fest. Anfang der Siebziger wurde das Gesetz reformiert, wodurch Homosexualität zumindest teilweise entkriminalisiert wurde. Aber erst 1994 wurde der § 175 komplett aufgehoben.

Bis heute existiert zum Beispiel noch der Ochsengarten, der 1967 als erste Fetischbar Deutschlands eröffnete. Sie war der Nachfolger eines Etablissements, das zuvor als beliebter Treffpunkt für die Damen der Müllerstraße galt. Bekannt ist auch die Deutsche Eiche in der Reichenbachstraße (die genau genommen eigentlich im Gärtnerplatzviertel ist), wo sogar Berühmtheiten wie Freddy Mercury regelmäßig zu Gast waren.

Neben den vielen einschlägigen Kneipen, Bars und Cafés, wurde das Glockenbachviertel aber in den Siebziger und Achtziger Jahren auch zum Zentrum des Kampfes gegen die Diskriminierung und für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und gegen AIDS.

Zwar gibt es bis heute in der Müllerstraße Treffpunkte der homosexuellen Szene, doch von vielen ist sie bereits tot gesagt. Während es vor 20 Jahren noch eine vielfältige und bunte Auswahl an Schwulenkneipen, -diskotheken und anderen Einrichtungen gab, ist das Angebot heute auf ein ziemlich überschaubares Maß geschrumpft. Woran das liegt wird vielfach diskutiert, Gründe sind wohl das veränderte Datingverhalten in Zeiten von Apps und Social Media, nach wie vor Diskriminierung, aber auch die horrenden Mieten im Viertel.

Der Integrationsbaum "Rosa Stangerl" am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz

Jüdisches Leben im Glockenbachviertel

Williamsburg und das Glockenbachviertel haben also beide eine ähnliche Entwicklung vom Arbeiter- zum hipsterisierten Trendviertel durchgemacht. So weit so gut. Aber pass auf – ich habe noch eine Analogie auf Lager, die auf den ersten Blick nicht ganz so offensichtlich ist. 

Seit dem Ende der 1940er Jahre macht in Williamsburg die Gemeinschaft von ultraorthodoxen chassidischen Juden einen großen Teil der Bevölkerung aus. Als Überlebende der Shoah emigrierten viele Juden aus Osteuropa nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in die USA. In stark abgeschotteten Gemeinschaften praktizieren sie einen extrem frommen Ritus, der von ihrem ostjüdischen Erbe geprägt ist. Spätestens seit das Buch “Unorthodox” von Deborah Feldman als Netflix-Serie verfilmt wurde, sind die amerikanischen Chassidei zu einiger (ungewollten) Aufmerksamkeit gekommen.

Was vielen Münchnern aber heute nicht mehr bewusst ist: Auch in München gab es gut 40 Jahre lang eine Gemeinde osteuropäischer Juden, die ihr Lebenszentrum im Glockenbachviertel hatten. Damit es keine Missverständnisse gibt: ich möchte die ehemalige Münchner Gemeinde keinesfalls mit den heutigen ultraorthodoxen Juden Brooklyns in einen Topf werfen. Das ist allein wegen dem halben Jahrhundert Geschichte, das zwischen ihnen liegt gar nicht möglich.  Was sie aber gemeinsam haben, sind nicht nur dieselben kulturellen Wurzeln im osteuropäischen Judentum. Auch wurden beide Gemeinschaften durch Hass, Gewalt und Mord dazu getrieben, ihre Heimat zu verlassen und sich in einer unbekannten Umgebung ein neues Leben aufzubauen. 

Von welcher Vertreibung ich rede? Ab den 1890er Jahren kamen zahlreiche sogenannte Ostjuden als Flüchtlinge nach Deutschland – ein Aspekt der jüdisch-deutschen Geschichte, der in der allgemeinen Wahrnehmung häufig untergeht. In Russland, Polen und im österreichischen Galizien gab es im 19. Jahrhundert viele jüdische Gemeinden, die in eigenständigen Siedlungen, sogenannten Stetln lebten. Grausame antijüdische Pogrome und miserable wirtschaftliche Verhältnisse zwangen viele gegen Ende des Jahrhunderts aber dazu, ihre Heimatländer zu verlassen. Die Flüchtlinge emigrierten in die USA oder versuchten sich in deutschen Städten ein neues Leben aufzubauen – so auch in München. 

Eine neue jüdische Gemeinde entsteht

Die jüdischen Einwanderer unterschieden sich stark von den Juden, die bereits in München lebten und größtenteils dem Bildungsbürgertum angehörten. Die häufig bettelarmen Neuankömmlinge verfolgten einen wesentlich strengeren Ritus, der von ihren deutschen Glaubensgenossen als altmodisch und abergläubisch angesehen wurde. Sie sprachen Jiddisch und trugen Schläfenlocken und traditionelle Gebetskleidung, wodurch sie für Außenstehende sofort als Juden erkennbar waren. 

Damit bildeten sie einen krassen Gegensatz zu den  Münchner Juden, die vollkommen an die bürgerliche Gesellschaft angepasst waren. Stets bemüht, ihren hohen Bildungsstand und ihre Identität als Deutsche zu betonen, versuchten viele von ihnen möglichst wenig als “jüdisch” aufzufallen – unter anderem, weil sie hofften, auf diese Weise Antisemitismus entgegenwirken zu können.

Weil hier buchstäblich zwei Welten aufeinander prallten, gliederten sich die osteuropäischen Einwanderer nicht in eine der zwei bestehenden jüdischen Gemeinden ein. Stattdessen blieben sie unter sich und im Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel entfaltete sich mit der Zeit ein lebhaftes jüdisches Leben.

Bärlauchblüte am Westermühlbach

Zwar waren viele der Einwanderer anfangs noch darauf angewiesen, von den Münchner Juden wohltätige Unterstützung zu erhalten, doch rasch bauten sie sich ein selbständiges Leben in ihrer neuen Heimat auf. Ungefähr ein Drittel verdingte sich als Arbeiter in den industriellen Betrieben, doch der Großteil gründete eigene Gewerbe in der Textil- und Tabakbranche.

Die Ostjuden blieben ihrem heimatlichen Glauben treu und praktizierten in ihren eigenen Betstuben den osteuropäischen Ritus. Außerdem gab es koschere Lebensmittelläden und zum Beispiel einen jüdischen Kindergarten, in dem die Kinder der Arbeiter tagsüber Betreuung fanden. 1931 eröffnete im Gärtnerplatzviertel für die inzwischen rund 2300 Gemeindemitglieder sogar eine ostjüdische Synagoge in der Reichenbachstraße.

Allerdings bestand die jüdische Gemeinde im Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel leider nur knapp vier Jahrzehnte. Mit der Machtergreifung Hitlers und der systematischen Verfolgung von Juden im NS-Staat, wurde auch hier jegliches jüdisches Leben ausgelöscht. Die Synagoge wurde bei den Novemberpogromen 1938 verwüstet, jüdische Geschäfte, Vereine und Betriebe enteignet und aufgelöst und die Gemeindemitglieder schließlich deportiert und in den Konzentrationslagern ermordet.

Zwar gründete sich direkt nach dem Ende des Dritten Reiches eine neue Kultusgemeinde in München, die die ehemalige Synagoge in der Reichenbachstraße renovierte und wieder in Betrieb nahm. Doch das jüdische Leben im Glockenbachviertel war unwiederbringlich zerstört. Und obwohl die Synagoge auch heute noch von der liberalen jüdischen Gemeinde genutzt wird, wissen nur noch wenige um das jüdische Erbe des Glockenbachviertels. 

Auf Spurensuche nach dem alten Viertelleben

Du siehst, das Glockenbachviertel hat eine ziemlich vielseitige und teilweise auch überraschende Vergangenheit.

Zwischen all den trendigen Cafebars und langbärtigen Szenekids kann man auch heute noch ein paar letzte Reste des ehemaligen Viertellebens entdecken, wenn man genau hinsieht.

Lauf doch mal über den Südfriedhof und schau, welche Namen du auf den Grabsteinen so entdecken kannst. Hör dem Westermühlbach in der Pestalozzistraße beim Plätschern zu, während du dich fragst, wie zur Hölle da bitte Flösse drauf gepasst haben sollen. Und leg’ beim neuen Klohäuschendenkmal am Holzplatz eine kleine Gedenkminute ein – nicht nur für Freddy Mercury, Albert Einstein und Rainer Werner Fassbinder, sondern auch stellvertretend für die Schwulenszene und die ehemalige jüdische Gemeinde.

Im Anschluss kannst du dann ganz entspannt deinen Sojalatte in der Aroma Kaffeebar genießen und dich ein bisschen fühlen wie in New York. Wenn auch nur ein bisschen.

Einige meiner Quellen:

Artikel “Immer weniger schwul” von Matthias Weber, SZ-Online am 22.01.2015.

Artikel “Ochsengarten. Aus Liebe zum Leder” von Sabrina Ebitsch, SZ-Online am 8.12.2011.

ThemenGeschichtsPfad “Geschichte der Lesben und Schwulen in München”, herausgegeben von der Landeshauptstadt München, München 2015.

KulturGeschichtsPfad “Ludwigvorstadt, Isarvorstadt”, herausgegegeben von der Landeshauptstadt München, München 2013.

Bauer, Richard/Brenner, Michael (Hrsg.): Jüdisches München. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2006.

Schiermeier, Franz: Münchner Stadtbäche. Reiseführer zu den Lebensadern einer Stadt, München 2019.

Alemannia Judaica, Eintrag zu München (Bayern). Jüdische Geschichte/Synagogen

Bildnachweis:

Alle Fotos: © Katrin Schultze-Naumburg

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