Frühlingsfeste in München. Wie begrüßen die Münchner den Frühling?

von katrin
Maibaum Rosa Stangerl im Glockenbachviertel

In wenigen Tagen ist Frühlingsanfang. Seit jeher begrüßen die Menschen die wärmere Jahreszeit mit Festen und Ritualen. So werden auch in München jedes Jahr traditionelle Frühlingsfeste gefeiert.

Von März bis Mai steht die Münchner Stadtkultur ganz im Zeichen des Frühlings. Denn was gibt es schöneres, wenn die Vögel wieder singen und die ersten Blümchen ihre Köpfe aus der Erde stecken? Nach einem entbehrungsreichen Winter sorgen die ersten Frühlingsboten für Glücksgefühle.

Kein Wunder, dass die Lust zu feiern da groß ist. Da wir Münchner eh immer für ein gutes Fest zu haben sind, stehen auch einige Events im Stadtkalender, um den Frühling zu begrüßen.

In der aktuellen Podcastfolge von diridari.fm spreche ich mit meinem Kollegen Phil ausführlich über den Münchner Frühling und seine Bedeutung für unsere Kultur. Für diesen Artikel habe ich mir drei der großen Frühlingsfeste in München von März bis Mai genauer angeschaut.

Fastenzeit made easy: Das Starkbierfest im März

Endlich ist der Winter vorbei. Mit viel Getöse haben die Narren an Fasching die letzten Winterdämonen verjagt. Doch bevor wir in den Frühling starten, steht in der christlichen Tradition erst noch eine Zeit der Buße und Enthaltsamkeit bevor.

Denn mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Bis Ostern sollen gläubige Christen insgesamt 40 Tage lang fasten und sich so auf das höchste Kirchenfest vorbereiten. Damit gehört die Fastenzeit zwar nicht offiziell zum Frühling, aber sie leitet ihn ein. In einer katholischen Stadt wie München, spielt die Fastenzeit natürlich eine wichtige Rolle.

„Flüssiges bricht das Fasten nicht“

Vermutlich ist es in keiner Stadt der Welt so einfach Katholik zu sein wie in München. Denn ironischerweise wird gerade in der Zeit der Enthaltsamkeit ein Fest gefeiert, das einem Genussmittel gewidmet ist: Das Starkbierfest. Da es immer im März stattfindet, ist es für mich eines der Frühlingsfeste in München.

Schon seit dem Mittelalter brauten Mönche in ihren Klöstern das ganze Jahr über gehaltvolles Bier. Weil sie auch in der Fastenzeit nicht darauf verzichten wollten, überlegten sie sich einen Trick. Sie interpretierten einfach die Fastenregel „Flüssiges bricht das Fasten nicht“ zu ihren Gunsten um und rechtfertigten damit ihren Biergenuss.

Das nutzten auch die Paulaner Mönche im Kloster Neudeck ob der Au bei München aus. Im Jahr 1651 brauten sie dort das erste Sankt-Vater-Bier, ein sehr gehaltvolles Bier und Vorläufer des heutigen Salvatorbieres. Der Starkbieranstich wurde in der Folge zu einem jährlichen Highlight. Ab dem 18. Jahrhundert luden die Mönche dazu sogar den Kurfürsten ein, um ihm den ersten Krug des Fastenbieres zu überreichen. Aus dieser Tradition entwickelte sich 1799 schließlich ein Volksfest, das Heilig-Vater-Fest.

Der Kurfürst bekommt von Frater Barnabas den ersten Krug des Salvatorbiers überreicht
Pater Barnabas überreicht Kurfürst Karl Theodor den ersten Krug Salvator-Bier. Eduard Ille, „Kredenzszene“, nach 1890.

Mit Prost in den Frühling

Obwohl das Kloster um 1800 aufgelöst wurde, blieb die Starkbiertradition erhalten. Der Unternehmer Franz Xaver übernahm die Klosterbrauerei in der Au, begründete das Paulaner Bräuhaus und veranstaltete alljährlich ein Starkbierfest.

Bis heute feiert die Paulaner Brauerei jedes Jahr zur Fastenzeit auf dem Nockherberg ein Starkbierfest. Zum Anstich hat sich zudem die Tradition des „Derbleckens“ etabliert. Seit den 1950er Jahren zieht ein Festredner die gesamte politische Prominenz durch den Kakao, die zu Starkbier und Brotzeit eingeladen wurde.

Die Münchner halten Genuss und ihre Feste hoch. Wie du siehst, lassen sie sich das auch in der Fastenzeit nicht nehmen. Damit verkürzen sie sich die Wartezeit auf den Frühling mit einem kräftigen Starkbier und nutzen die Gelegenheit auch gleich noch für ein gemütliches Festchen. #diemünchnerwieder

Das Frühlingsfest auf der Theresienwiese im April

Doch nicht jedes Fest wird von der katholischen Kirche während der Fastenzeit geduldet. Das erste Frühlingsfest auf der Theresienwiese im Jahr 1965 fand in den zwei Wochen vor Ostern statt, was vor allem dem Stadtpfarramt der St. Pauls Kirche überhaupt nicht gefiel.

Schon im Vorfeld hatte das Frühlingsfest keinen leichten Start gehabt. Denn im Gegensatz zum Starkbierfest am Nockherberg oder etwa der Wiesn, kann es nicht auf eine historische Festtradition zurückblicken. Es entstand erst in den 1960er Jahren aus der finanziellen Not der Schausteller heraus. Da sie im Winter keine Einnahmen hatten, erhofften sie sich mit einem kleinen Volksfest einen lohnenden Auftakt in die Saison.

Blick von oben auf das Frühlingsfest auf der Theresienwiese
Das Frühlingsfest in München auf der Theresienwiese
(Anton Nikiforov, Theresienwiesen – panoramioCC BY 3.0)

Einen ersten Versuch hatten die Schausteller schon 1960 unternommen. Doch der Wirtschaftsausschuss der Stadt lehnte den Antrag damals ab. Erst eine direkte Anfrage beim amtierenden Bürgermeister, Dr. Hans Jochen Vogel, brachte 1964 den gewünschten Erfolg. Das Frühlingsfest durfte mit Buden, Fahrgeschäften und einem Bierzelt auf der Theresienwiese zum ersten Mal stattfinden. Damals wie heute war es vor allem als Fest für Kinder und Jugendliche gedacht.

Wegen der Beschwerde der Kirche, die das Frühlingsfest während der Karwoche als „unerträgliche Zumutung“ empfand, geriet die Veranstaltung noch einmal in die Kritik. Doch schließlich bekam das Fest seinen fixen Termin nach Ostern und konnte sich so als feste Größe im Kanon der Frühlingsfeste in München etablieren.

Der festliche Auftakt in den Mai

Rund um den 1. Mai ist einiges im Münchner Festkalender geboten. Der Übergang in den Wonnemonat wird regional sehr unterschiedlich gefeiert. Während in Berlin auf dem Myfest die Menschen mit einer ausgelassenen Party von den alljährlichen Maikrawallen abgehalten werden sollen, geht es in München wesentlich unpolitischer und beschaulicher zu. Der Tag der Arbeit ist hier nicht viel mehr als ein weiterer Feiertag, der zum Biertrinken und Tanzen einlädt. Wer braucht noch Klischees, wenn man die Realität hat?

Tanz in den Mai und Freinacht

Lange vor der Arbeiterbewegung war der 1. Mai ein besonderer Festtag. Die Nacht vom 30. April galt seit dem Mittelalter als Walpurgisnacht, in der sich die Hexen am Brocken im Harz treffen und mit dem Teufel ein Fest abhalten. Mit Hexenfeuern und Tänzen wollte die tiefgläubige Bevölkerung die Geister, Hexen und Dämonen vertreiben.

In unseren Breitengraden stehen aber weniger Hexen als viel mehr der Maibaum im Mittelpunkt. Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai heißt in München Freinacht. Wie du vielleicht aus deiner Jugend noch weißt, wird in dieser Nacht einiges an Schabernack getrieben. Doch vor allem die Besitzer eines Maibaums müssen in dieser Nacht besonders aufpassen. Denn traditionell versuchen junge Männer aus unterschiedlichen Gemeinden, sich gegenseitig ihre Bäume zu klauen.

Das Stehlen des Maibaums unterliegt einem strikten Regelkatalog. Der Baum darf zum Beispiel nicht geklaut werden, solange er noch am Waldrand liegt. Falls ein Gemeindemitglied es schafft, während des Klaus eine Hand auf den Baumstamm zu legen und zu sagen „Der bleibt hier“, ist die Aktion gescheitert. Und um einen entwendeten Maibaum wiederzubekommen, muss die geschädigte Gemeinde mit den Dieben verhandeln und eine Auslösesumme – meist in Brotzeit und Bier – bezahlen.

Auch die Münchner Clubszene hat den Tanz in den Mai der Walpurgisnacht für sich entdeckt. Sehr viel mehr als den Namen, haben die Clubs aber nicht übernommen. Im Prinzip wird das normale Programm vor einem Feiertag abgespielt. Traditioneller geht es da im Hofbräuhaus zu: Dort spielt die bayerische Musikgruppe Well-Buam auf und es wird fleißig zu Sternpolka und Siebenschritt in den Mai hinein getanzt.

Maibaum Rosa Stangerl im Glockenbachviertel
Der Maibaum Rosa Stangerl der Queeren-Community im Glockenbachviertel am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz
(Katrin Schultze-Naumburg)

Der Maibaum

Wer nicht zu verkatert von der vorherigen Nacht ist, kann sich am 1. Mai über das nächste Event freuen: Das Aufstellen des Maibaums. Auch das wird natürlich mit Bier und Musik verbunden. Das Aufstellen des Baumes erledigen in vielen Gemeinden noch junge Männer mit ihrer Muskelkraft. In München übernimmt das allerdings die Berufsfeuerwehr mit einem Kran – die Unfallgefahr ist in der Stadt zu groß.

Das Aufstellen des Maibaums hat nicht nur in Bayern eine lange Tradition. Der Brauch, zum Frühlingsbeginn einen Baum zu schmücken, stammt noch aus vorchristlicher Zeit und wurde von der Kirche als heidnisch verboten. Doch seit dem Mittelalter sind in Deutschland wieder verschiedene Maibaumtraditionen belegt, verbunden mit fröhlichen Festen und Tänzen.

Wie der Baum aussieht, ist von Region zu Region unterschiedlich. In München werden die Stämme geschält, in weiß-blauen Landesfarben angestrichen und an der Spitze mit Kränzen, Bändern und Tafeln geschmückt. Das Herrichten und Aufstellen übernehmen traditionelle Burschenschaften.

Der prominentes Maibaum Münchens steht am Viktualienmarkt und wird von den Münchner Brauereien gesponsert. Die Feier zum Aufstellen am 1. Mai ist eines der gemütlichsten Frühlingsfeste in München. Durchschnittlich alle 3 bis 5 Jahre gibt es einen neuen Baum. Erst letztes Jahr wäre es wieder soweit gewesen, aber das Fest musste wegen der Pandemie ausfallen. Weil der alte Baum schon abgebaut war, steht seit einem Jahr kein Maibaum mehr in unserem Stadtkern.

Einen besonderen Maibaum gibt es übrigens im Glockenbachviertel. Am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz steht das Rosa Stangerl. Der sogenannte Integrationsbaum ist der einzige „schwul/lesbische Maibaum“ Deutschlands und wird von der queeren Community in München gestaltet.

Du willst noch mehr über Frühlingsfeste in München und die kulturgeschichtlichen Hintergründe zum Frühjahr erfahren? Dann höre unbedingt in diese Podcastfolge rein.

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